GALERIE FÜR ZEITGENÖSSISCHE SCHWEIZER KUNST

Hardturmstrasse 121 8005 Zürich

ÖFFNUNGSZEITEN:

Dienstag - Freitag 13.30 -19.00 Uhr

André Wilhelm

 

 

 

"Wieder mit der Kunst Leben"

Publiziert in Ensuite Kulturmagazin, Dezember 2015

 

Er war der letzte Künstler, der aus seinem Atelier im Toni-Areal auszog, bevor der heutige ZHdK-Komplex darauf errichtet wurde. André Wilhelm: Künstler mit Leib und Seele, aus Leidenschaft und ohne Rücksicht auf persönlichen Verlust.

André Wilhelm Neuste Werke

 

Sehen Sie hier eine aktuelle Übersicht über seine

neusten Werke.

«Ich denke nicht darüber nach, was Kunst ist, ich mache sie», sagt der 1963 in Zug geborene, heute in Wald bei Zürich lebende Künstler. Und das scheint ihm am besten in der Zurückgezogenheit inspirierender Orte zu gelingen. So zum Beispiel im Valle di Muggio (TI), wo er im hintersten Dorf in einem 150-jährigen Haus sein Herbstatelier eingerichtet hat. Hier in der Ruhe, mit etwas Distanz zu Zürich und der nötigen Weitsicht über die Landesgrenzen hinweg, arbeitet er an neuen Werken – Glasskulpturen, Textildruck, Collagen und Malereien. Letzteres sind emotionale Impulse, die er in einem einzigen Akt der Befreiung mit einer von dick aufgetragenen Erdfarben dominierten Farbpalette auf die Leinwand donnert. Als «Realanarchist», «expressiv», «roh» und «kraftvoll» bezeichnete ihn deshalb der frühere Direktor des Tinguely Museums, Guido Magnaguagno, als er Wilhelm 2007 ebenda eine Einzelausstellung widmete. Doch bei aller Expressivität dringt bei Wilhelms Werken stets Bedeutung und subtiler Witz durch.

IM KAFFEE - Die Entstehung eines Bildes in drei Phasen:

1. Version

2. Version

3. und definitive Version

Der Künstler im Atelier

Zentraler Antrieb dieses Künstlers ist die Emotion. Sie bestimmt seine Lebenshaltung schlechthin. Aus seiner «inneren Stimme» heraus schöpft Wilhelm Authentizität und Freiheit und damit das Maximum, das er als Künstler aufbieten kann. „Nur wenn ich tief in mich hineinhöre, habe ich genügend Kraft, etwas in Bewegung zu setzen“ sagt er und setzt damit einen starken Kontrast zu einer mehr und mehr durchorganisierten Kunstwelt. „Deshalb“, so ist er sich bewusst, „muss man auch damit rechnen, dass man untergeht».

In Bewegung setzen will André Wilhelm vor allem einen natürlicheren Umgang mit Kunst. Kunst soll sich wieder stärker im Leben der Menschen integrieren. Sie soll ihre Rezipienten weniger in Ehrfurcht erstarren lassen, als sie vielmehr in ihrem Alltag berühren und antreiben. Runter vom Sockel also. Deshalb sucht er für seine Ausstellungen auch immer wieder belebte Orte aus. Aktuell etwa den als Café genutzten Wintergarten des Literaturhauses Berlin. Hier schaffen noch bis im Frühjahr 2017 einige seiner Werke einen künstlerischen Hintergrund, der sich, sei es bei der Zeitungslektüre oder bei einem Gespräch, direkt auf die Gäste auswirken kann und sie so in einer Alltagssituation erreicht. Orte der Zusammenkunft wünscht er sich auch vermehrt für die Kunstschaffenden selbst. „Wo wird heute noch Kunst um der Kunst willen geschaffen? Im Chatraum zwischen Paris, London und LA?“ Was den Impressionisten damals St. Tropez war, sieht er heute am ehesten in Berlin. Doch auch hier nimmt der Druck, mit Kunst etwas erreichen zu müssen, zu.

Die zunehmende Projektbezogenheit unter dem Einfluss von Kunstmarkt, Kulturpolitik und deren Hauptgönnern kann der Kunst langfristig nicht förderlich sein und hat sich in Nuancen vielleicht bereits bei den jungen Künstlern niederschlagen. So beobachtete André Wilhelm diesen Sommer anlässlich seiner Ausstellung im Pfingstweidpark Zürich beispielsweise, wie die Kunststudenten auf ihrem Weg zur ZHdK in Reih und Glied an der mit Bänken, Bäumen und Grünfläche einladenden Anlage vorbeigingen, anstatt sie für ihre Kreativität zu nutzen. Sollten sie mit dem Kopf bereits in Sorge um die zukünftigen Einkünfte sein, empfiehlt Wilhelm als Gegentherapie einen Kaffee im Restaurant Nordlicht in Amsterdam zu trinken. Das Restaurant befindet sich im Nederlandsche Dok en Scheepsbouw Maatschappij (NDSM), einem in der weltgrössten Schiffswerft eingerichteten Kulturzentrum. Hier, wo Kunst auf grösster Fläche aus jeder Ecke spriesst, findet sich schliesslich das wichtigste Credo für jeden Kunstschaffenden unverkennbar über dem Eingangsportal angebracht: «MAKE ART NOT €».

Gerne steht Ihnen Kunst im West für weiterführende Informationen über André Wilhelm zur Verfügung: E-Mail: kunstimwest@bluewin.ch / Tel.: +41/43 321 32 39

© Kunst im West 2018

Kontakt

Facebook