KUNST IM WEST

GALERIE FÜR ZEITGENÖSSISCHE SCHWEIZER KUNST

Hardturmstrasse 121 8005 Zürich

ÖFFNUNGSZEITEN

Jeden Mittwoch, 14.00 bis 18.30 Uhr

Diethard Gemsa

Bericht zur Ausstellung in der Galerie Kunst im West, in Schweizer Ärztezeitung 2012

 

Nach vielen Jahren als Institutsleiter, Fachgut­ achter der Deutschen Forschungsgesellschaft und Mitglied des Bewilligungsausschusses für Sonder­forschungsbereiche ist das Malen, neben Ehefrau und drei Kindern, immer wichtiger geworden. Die Musik von Bach versetze ihn in eine meditative Ge­lassenheit, aus der heraus er die inneren Bilder in kürzester Zeit mit Bleistift vorskizziere. Visionen, Träume, abstrakte und figürliche Vorstellungen all­ täglicher Themen, wie Trennung, Liebe, Schmerz und Verlassenheit. Der Drang zur Darstellung ist persönlich­politischer Natur, die Gestaltung orien­tiert sich an beruflichen Vorbildern aus der Ar­beitswelt. Er sei immer ein visueller Denker gewe­sen. Die zellulären Strukturen der Ölgemälde erin­nern an mikroskopische Vergrösserungen oder molekulare Abbilder. «Ich kann nicht immer sagen, was die Bilder bedeuten.» Viele Deutungen sind möglich, jeder Betrachter mag seine eigene Version haben. Die grossen Formate würden auch sehr gut in Praxis­ und Klinikräume passen. In Deutschland gab es schon viele Ausstellungen, in der Schweiz waren die Werke erstmals in Zürich, in der Galerie «Kunst im West» zu sehen. 25 Gemälde, zu deren Vernissage der Kollege und Nobelpreisträger Rolf Zinkernagel eine Rede hielt. Doch heute ist Finis­sage. Ganz am Ende des Gesprächs kommt Ursula Koller-­Lehner, die Gründerin der unabhängigen Kunstgalerie, und teilt dem Künstler mit, dass ein weiteres Bild verkauft sei. Auch das gehört zu einer richtigen Ausstellung.

 

Der doppelt Begabte vereinigt Kunst und Wissen­schaft zum unverkennbaren Stil. Seine Figürchen krabbeln wie Ameisen über die kräftig bunten Öl­gemälde. Kleine Männchen streben in Gruppen und einzeln durch eine futuristische Welt leuchten­ der Abstraktionen, die an Träume und histologische Strukturen erinnern. Surrealistische Amöben, wit­zig, boshaft oder panisch auf der Flucht, immer in Bewegung, am Erklimmen, Abstürzen, Balancieren und im Gespräch. Vielgestaltige Comic­ Klekse, unaufhörlich in Metamorphose, ausgesetzt in einer Welt aus aggressivem Rot, irritierendem Gelb, tiefem Blau, prallem Grün und beruhigendem Schwarz.

 

Prof. Dr. Diethard Gemsa, geboren 1937, stu­dierte Medizin und besuchte nebenher die Hoch­schule für Bildende Kunst in Berlin. Dem Staatsexa­men und der Promotion 1964 in Freiburg folgten erfolgreiche Forscherjahre in Seattle, San Francisco, Heidelberg, Hannover und schliesslich Marburg, wo er als Professor das Institut für Immunologie 21 Jahre lang leitete. In San Francisco war er für 3 Jahre in der Gastroenterologie und Immunologie der University of California bei seinem wichtigsten Lehrer und späteren Freund Rudi Schmid, dem «Bilirubinpapst» aus der Schweiz. «Alles, was Du schreibst, muss wie ein Gesetz sein», habe ihm die­ser eingeschärft. Von Laborexperimenten mussten mindestens drei identische und keine abweichen­ den Resultate vorliegen, bevor die Fachwelt davon erfuhr. Diese verehrt denn auch den erfolgreichen Forscher, der unter anderem ein vielbeachtetes Lehrbuch zur Immunologie herausgab und für 25 Jahre Editor­in­ Chief der Zeitschrift «Immuno­ biology» war.

 

Bereits der Vater, ein Chemiker, habe gemalt, er wollte aber nicht, dass sein Sohn daraus einen Brot­ beruf machte. Weil Medizin Ende der 50er Jahre unter angehenden Akademikern keinen guten Ruf hatte – «nur die mit den schlechtesten Abiturnoten studierten Medizin» – plante er erst ein Chemie­studium. Er vermisste aber den Kontakt zu Men­schen und begann das Medizinstudium. Seit der Emeritierung reist Diethard Gemsa mehrmals jähr­lich für 2 bis 3 Wochen nach Jeddah in Saudi­Ara­ bien, wo er am Batterjee Medical College Bioche­mie und Immunologie lehrt. Anfangs habe eine über zwei Meter hohe Trennwand im Hörsaal die weiblichen von den männlichen Hörern aus Saudi­ Arabien, Pakistan, Syrien, Ägypten und den Emira­ten getrennt. Seither sei die Wand immer niedriger geworden oder gar ganz verschwunden. Hätten zu Beginn noch fast alle Frauen den traditionellen Niqab getragen, so sei das heute nur noch eine kleine Minderheit unter den zahlreichen Studen­tinnen.

Diethard Gemsa

Kampf der Viren

Öl auf Leinwand

80 x 100 cm

CHF 4'500.-

Diethard Gemsa

Falsch-Lauf

Öl auf Leinwand

100 x 130 cm

Diethard Gemsa

Ich wollte

Öl auf Leinwand

90 x 100 cm

Diethard Gemsa

Mögliches

Öl auf Leinwand

100 x 120 cm

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